Freude und Ehre in St. Petersburg

Auf Einladung des St. Petersburger Zentrum für Unabhängige Sozialrecherche und dem Goethe-Institut St. Petersburg wurden mir die Freude und die Ehre zuteil, im Rahmen der Reihe CityCult einen Vortrag zum Thema City Branding halten zu dürfen. Danke dafür.

Meine Sicht auf das Thema City Branding – und meine Kritik an klassischen, rein Marketing getriebenen Ansätzen – stellte ich am 7. November im Loft Project ETAGI vor, dem wohl renommiertesten alternativen Kultur-, Ausstellungs- und Coworking-Zentrum der „zweiten Hauptstadt Russlands“. Das Interesse der Zuhörer an einem alternativen Ansatz im Sinne der Sozialen Skulptur von Joseph Beuys stieß auf derart reges Interesse, dass im Anschluß an den Vortrag außergewöhnlich lange und intensiv diskutiert wurde. Ein Teilnehmer brachte es so auf den Punkt: „Die Zugabe war noch einmal so lang wie das Konzert“.

Interesse, Energie und Spaß waren bereits im Vorfeld derart groß, dass ich zusammen mit  russischen Kreativen eine alternative Kampagne für St. Petersburg entwickelte. Gewissermaßen als Warm Up zum Thema. Mal sehen, ob sie diese tatsächlich umsetzen. Dann werde ich darüber berichten.

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Späte Erkenntnis

„Harsche Kritik an Bachelor und Master“ übte gerade der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler in einem Interview der Süddeutschen Zeitung (erschienen 14.8.12). Er kam nach 10 Jahren Bologna Reform zu folgenden Schluss:
„Die Unternehmen brauchen Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen. Wir alle arbeiten immer länger, da ist es sinnvoll, am Anfang mehr Zeit zu investieren und eine solche Persönlichkeit auszubilden. Hierzu gehört auch, dass Studenten über den Tellerrand des Fachs hinausschauen können.“

Zu dieser Erkenntnis gelangten meine Kollegen von der Fakultät für Gestaltung in Mannheim und ich bereits vor gut 7 Jahren. Deshalb formulierten wir den Kern unseres Wirkens wie folgt:

„Wir begleiten unsere Studierenden bei Ihrer Entwicklung zu autonomen, schöpferischen Persönlichkeiten im Berufsfeld Kommunikationsdesign.“

Die Akkreditierung  unserer Studiengänge hat uns sage und schreibe 5 Jahre Einsatz und Anstrengung gekostet. Diese Zeit beanspruchte der Akkrediterungsprozeß, in dessen Verlauf wir uns mehrfach gegen die Bestrebungen der Akkreditierungsagentur /-kommission durchsetzen mussten, die unser Studienangebot schmaler und kürzer (wir bestanden auf ein integriertes Praktikum) gestaltet wissen wollte.

Unser Ziel haben wir erreicht: Der Blick über den Tellerand ist gewährleistet – und die Entwicklung der schöpferischen, autonomen Persönlichkeit unserer Studierenden steht weiterhin im Mittelpunkt. Schön, dass die HRK nun mit uns ist. Denn nicht nur Unternehmen, auch unsere Gesellschaft braucht Persönlichkeiten.

Spiel über Bande

Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz eröffnete gestern im Rathaus eine Vernissage von Exponaten, die das Ergebniss eines transnationalen Designprojektes meines Bachelor-Kurses mit dem Design College Tiltan in Haifa / Israel sind. Thema des Projektes ist das City Branding der beiden Städte Haifa und Mannheim. Beide Partnerstädte arbeiten derzeit intensiv an ihrem Stukturwandel. Damit gekoppelt wird ein Imagewandel der beiden Städte angestrebt.
Unser Mannheimer Studententeam entwickelte ein Briefing für die Studierenden in Haifa – und andersherum.
Aufgabe der jeweils anderen Teams war es dann, Kampagnen für die Partnerstadt zu entwickeln – mit dem Ziel, durch neue Sichtweisen und Impulse junge Menschen zum Besuch und vielleicht auch für Zuzug nach Mannheim bzw. nach Haifa zu gewinnen.

Das Mannheimer Team entwickelte eine Kampagne mit dem Claim „Shift_happens@Haifa“. Haifa wandelt sich. Unter diesem Kampagnendach sollen alle Initiativen der Stadt sichtbar gemacht werden, die Haifa bereits unternimmt oder aus der Sicht der Bürger unternehmen sollte, um Haifa weiterzuentwickeln. Diese Social-Kampagne soll dann in eine Werbekampagne münden, die auf glaubwürdigen, weil „echten“ Maßnahmen sowie den hinter ihnen stehenden Bürgern basiert.

Die Studenten aus Haifa entwickelten Plakatmotive, in denen sie dem Quadrat des Mannheimer Stadtlogos Leben einhauchten. Die Quadrat-Variationen sollen der Stadt – gewissermaßen „über Bande“ gespielt – als Impulse für die Weiterentwicklung des CD’s dienen.

Zu sehen sind die Exponate der Studenten aus Haifa im Mannheimer Rathaus; E5.

Foto: Andreas Henn

 

Zeitgemäßes Design zum Nahezu-Null-Tarif

Der Designtagebuch-Blogger Achim Schaffrinna brachte mit seinem offenen Schreiben an die Hochschulleitung der FH Trier einen Stein in in’s Rollen: Darf eine Hochschule – die zudem eine Fakultät für Gestaltung zu den ihren zählt – allen Ernstes Designentwürfe auf CrowdSourcing-Plattformen wie designenlassen.de, 12designer.com oder 99designs.com einkaufen?

In einem Interview, dass Achim Schaffrinna mit mir führte, vertete ich den Standpunkt „Das Vorgehen der FH Trier unterminiert die Berufschancen der eigenen Absolventen“.

Zum Beitrag auf designtagebuch.de geht’s hier lang.

IMD Förderpreis 2012 an Deutsche&Japaner

In der Heidelberger Kunsthalle / Halle 01 verlieh das IMD Institut für Marke und Design im Rahmen der ersten formschau, der neuen Design-Leistungsschau der Städte Mannheim und Heidelberg sowie der Metropolregion Rhein-Neckar den IMD Förderpreises 2012.
Gewinner des IMD Förderpreises 2012 ist das Mannheimer Kreativ-Studio DEUTSCHE & JAPANER ドイツ人と日本人 der vier Designer Moritz Firchow, David Wolpert, Ina Yamaguchi und Julian Zimmermann.
DEUTSCHE & JAPANER machen neugierig. Das seit 2010 zu viert geführte Studio in Mannheim vereint Kreative aus den Bereichen Kommunikationsdesign, Produktdesign und Szenografie. Ihnen gemeinsam ist der Wille, Projekte konsequent transdisziplinär zu entwickeln. Ihr zeitgemäßer Ansatz, das Rumpf-Team durch externe Kompetenzen, „Freunde“, wie sie es nennen, zu ergänzen, entspricht im Kleinen der Logik grosser Designstudios und Agenturen. Der Freunde-Gedanke sichert dabei Ihren Qualitätsanspruch.

v.l.n.r: David Wolpert, Julian Zimmermann, Prof. A. Kolaschnik, Daniel Werner/Rabenschwarm

Als Variante des traditionellen Impulsvortrages gab es dieses mal ein Impulsgespräch: Prof. Dr. Claus Heinrich, Vorstand der sovanta AG und ehemaliges SAP-Vorstandsmitglied würdigte im Bühnengespräch die große Bedeutung von Design in technologischen Entwicklungsprozessen und die Wichtigkeit interdisziplinären Arbeitens und Entwickelns. Herr Heinrich bindet in seinem Unternehmen Designer von Beginn an in die Projektentwicklung innovativer Business-Apps mit ein. Design ist für ihn Teil der strategischen Kompetenz seines Unternehmens sovanta AG.

li: Prof. Dr. Claus Heinrich

Erste formschau in Heidelberg – ein gelungener Auftakt

An zwei Tagen – vom 21. bis 22. April – und in fünf Stationen wurde in Heidelberg Design gezeigt, Design erarbeitet, Design diskutiert und Design ausgezeichnet. Rund 1000 Besucher konnten sich einen Eindruck von der Qualität und des breiten Leistungsspektrums der Designer in der Rhein-Neckar-Region verschaffen.
Die formschau, eine Initiative der beiden Beauftragten für Kultur- und Kreativwirtschaft der Städte Mannheim und Heidelberg, Sebastian Dresel und Frank Zumbruch, stieß schon am Freitag anlässlich eines brancheninternen Fachforums auf großes Interesse. Impulsvorträge und Panel-Debatten u.a. über Urheberrechtsfragen, Vergütung, Nachhaltigkeit und den Qualitätsbegriff im Design wurden von vielen Teilnehmern als „Aufbruchssignal“ gewertet.
Im Zentrum des Samstag-Abends und der formschau insgesamt stand die Ausstellung „ausgezeichnetes Design“ – eine beeindruckende Leistungsschau des regionalen Designs. Mit dem eigens geschaffenen formschau-Jury-Preis der Fachjury wurden drei Aussteller besonders ausgezeichnet:
_der Fahrraddesigner Rafael Hoffleit
_das Mannheimer Modelabel „freigaenger
_und „KontextKommunikation“ für das Magazin enorm
Allen Entwürfen gemein ist ihre Konzeptons-Tiefe, ihre kreative Kraft und eine erkennbar authentische Haltung.

Ich freue mich, dass ich als Mitglied der Jury an diesen ebenso gelungenen wie inspirierenden Tagen dabei sein durfte.

Corporate Design wirkt – wenn es Teil einer kommunikativen Gesamtstrategie ist

Der Nachweis, dass Corporate Design wirkt, ist in der Regel kaum zu erbringen. Denn ein neues Corporate Design steht nicht für sich allein – und ist isoliert nicht messbar. Die Wirsamkeit eines neuen Corporate Design als Teil einer kommunikativen Gesamtstrategie ist dagegen durchaus nachweisbar. Hier ein eindrucksvolles aktuelles Beispiel.

Auf der Basis einer Abschlussarbeit von Vanessa Zeiler an der Fakultät für Gestaltung Mannheim entwickelte das IMD Institut für Marke und Design unter Vanessas Mitwirkung das neue CI/CD der UNO-Flüchtlingshilfe. Es wurde 2010 eingeführt.

Der Jahresbericht 2010 belegt: Es wurde ein außergewöhnliches Jahr für die UNO-Flüchtlingshilfe.

_Die Hilfsorganisation erzielte die höchsten Gesamteinnahmen seit 15 Jahren.

_Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Spendeneinnahmen um über 50 Prozent.

_Die Anzahl der dauerhaft unterstützenden Fördermitglieder konnte 2010 um rund dreihundert erhöht werden.

_Auch für das Jahr 2011 rechnet die UNO-Flüchtlingshilfe wieder mit einem ähnlich deutlichen Zuwachs an Spendeneinnahmen.

Bei der Entwicklung des CD´s legten wir sehr grossen Wert auf die leichte Anwendbarkeit aller entwickelten Designapplikationen. Es kann von den Mitarbeitern der UNO-Flüchtlingshilfe und ihren ausführenden Agenturen sehr einfach angewandt und adaptiert werden.

Strategisch ausgerichtetes und eingebettetes Design – und genau das ist die Entwicklung von Corporate-Design-Systemen – ist tatsächlich etwas anderes als nur „bunt machen“.